Blogeintrag


Blended learning beim Sprachenlernen

Mix aus Präsenzphasen und e-learning

Was ist eigentlich blended learning? Und was hat das mit dem Sprachenlernen zu tun? Eigentlich ganz einfach: Blended learning steht für integriertes Lernen und meint schlicht die Kombination von zwei unterschiedlichen Lernformen.

Kombiniert werden Präsenzphasen und e-learning. Präsenzphasen sind die Lernphasen, wie man sie aus der Schule oder aus dem Sprachkurs bei der VHS kennt. Unterricht im Klassenraum mit Lehrer und meist auch anderen Lernern. Beim blended learning werden diese Präsenzphasen mit e-learning-Phasen kombiniert, in denen die Lerner unabhängig von Ort und Zeit online Aufgaben lösen können. Die Umsetzung von solchen blended learning-Szenarien kann ganz unterschiedlich gestaltet sein und reicht von minimalen Onlineanteilen um zum Beispiel nur Material bereitzustellen, bis hin zu Angeboten, die bis auf wenige Präsenzphasen online stattfinden. Abhängig ist das didaktische Design jeweils von Lernzielen, Lerninhalten und natürlich der Zielgruppe und zum Beispiel den Vorkenntnissen der Zielgruppe im Umgang mit Neuen Medien.

 

Jeder Lerner ist anders, aber...

Was kann man beim Sprachenlernen besser online lernen und wann sind Präsenzphasen sinnvoll? Jeder Lerner ist natürlich anders, aber ein paar Grundsätze liegen auf der Hand. Ein Beispiel: Wer in einer Fremdsprache besser sprechen lernen möchte, der kommt um das Sprechen in der Fremdsprache nicht herum. Dazu kann man sich gezielt einen Kommunikationskurs in der entsprechenden Sprache suchen oder nach einem Tandem-Partner Ausschau halten, mit dem man die Sprache üben kann (und im Gegenzug seine eigene Muttersprache mit dem Partner übt). Wichtig: Tandemlernen ergibt nur Sinn, wenn man bereits über Grundkenntnisse in der Zielsprache verfügt.

Umgekehrt kann man einen konventionellen Sprachkurs mit e-learning-Elementen ergänzen. Manche Sprachkursanbieter und viele Hochschulen nutzen dafür Lernmanagement Systeme (LMS) wie moodle oder ilias. Beim Selbstgesteuerten Lernen kann man die diversen Online-Angebote nutzen. Dabei reicht die Bandbreite von speziell aufbereiteten Lernangeboten (zum Beispiel unsere Kombination aus Lernvideos, passenden Übungen und Grammatikkapiteln) und frei verfügbaren Ressourcen. Zwei Beispiele für Englisch: Business Spotlight mit News und Vokabelhilfen, Word of the day und kostenlosen Podcasts für Business Englisch oder zum Beispiel das Learning Network der New York Times mit der Rubrik „6 Q’s about the news“, also sechs Fragen zu einem aktuellen Artikel aus der Online-Redaktion.

 

Mit Technologien Sprachen lernen und lehren

Im Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T) schreiben die Autoren Gerlinde Buchberger, Johanna Chardaloupa, Georgios Perperidis und Verena Heckmann im Kapitel „Fremdsprachen“ über den Einsatz von Technologien beim Fremdsprachenlernen und –lehren. Sie betonen das große Potenzial für individualisiertes Sprachenlernen durch den Einsatz neuer Technologien, veSprachen lernen - Lehrbuch für lernen und Lehren mit Technologienrweisen aber auch auf die hohen Herausforderungen für manche Lerner, wie zum Beispiel technische Schwierigkeiten oder Motivationsprobleme. Hier gibt es das Kapitel zum Thema „Fremdsprachen: Mit Technologien Sprachen lernen und lehren“ zum Download (Link zum PDF). 

 

Eine Meta-Analyse verschiedener Studien (2010 vom U.S. Department of Education veröffentlicht) kommt beim Vergleich zwischen blended learning-Szenarien und reinem Online-Learning übrigens zu keinem Ergebnis, bzw. eignen sich die Ergebnisse nicht, um einer Lernform grundsätzlich den Vorrang zu geben. Hier geht es zur Studie “Evaluation of Evidence-Based Practices in Online Learning: A Meta-Analysis and Review of Online Learning Studies.” (Link zum PDF). Der Vergleich zwischen blended learning und e-learning ohne Präsenzphasen steht auf Seite 38ff. Grundsätzlich wird der Einsatz neuer Medien den klassischen Unterricht aber nicht ersetzen. Michael Kerres schreibt dazu im Handbuch Mediendidaktik: „Das Lernen mit digitalen Medien weist Potenziale auf, um bestimmte Lernformen zu unterstützen; es ist aber nicht als solches besser als andere Lehr-Lernformen und wird traditionellen Unterricht nicht grundsätzlich ersetzen. Das Lernen mit Medien sollte nicht als essentielle Alternative zu anderen Optionen gesehen werden. Vielmehr kommen die Vorzüge des mediengestützten Lernens gerade in Kombination mit anderen Elementen zum Tragen, und zwar dann, wenn die einzelnen Elemente in einem Lernarrangement zusammenwirken und eine Komposition ergeben, die ein bestimmtes didaktisches Anliegen einlösen.“

Halten wir fest: eine kluge und aufeinander abgestimmte Kombination von e-learning und Präsenzphasen ergibt für bestimmte Lernziele und bestimmte Zielgruppen Sinn, ist aber kein Garant für einen größeren Lernerfolg. Verallgemeinern lässt sich da mal wieder gar nichts.

Aber die spannende Frage ist ja auch: Wie ergeht es euch beim Lernen? Habt ihr Erfahrung mit blended learning? Wieviel Betreuung wünscht ihr euch? Oder lernt ihr lieber allein? Wir freuen uns über Kommentare!

Ein Praxisbeispiel für den Einsatz von blended learning gibt es in diesem epic-(Werbe)-Video. Ob man tatsächlich Kosten einspart, kommt auf den Einzelfall an und dieses Beispiel ist natürlich nur ein Szenario von vielen denkbaren Varianten...

 

Interessiert am Thema? Bücher zum Thema „blended learning“ gibt es auch hier im SprachenShop.

Schon gesehen? dalango bei facebook.



Autor

YvonneDalango